Ausschnitt aus dem Interview mit Franz Antel (29.7.2004)

geführt von Michael Lippitsch und Tibor Szücs

Wer kam eigentlich auf die erste Idee zu dem Film "Ruf der Wälder" bei dem es sich um eine Geschichte inspiriert vom Roman"Krambambuli" von Marie von Ebner-Eschenbachs handelt?

Die Idee kam mir als ich hörte, dass es schon einen guten Krambambuli-Film gab. Ich liebe Hunde und überhaupt Tiere. "Ruf der Wälder" war schon der 2. Krambambuli Film - ich habe den Stoff dreimal verfilmt! Zuerst mit Rudolf Brack, dann mit Terence Hill, der damals noch Mario Girotti hieß, sowie mit Hans Jürgen Bäumbler und das letzte mal mit Michael Schanze und Fritz Wepper. Die Hundegeschichte ist so gut, dass man sie immer sehen kann. Den Schluss habe ich natürlich varriirt. Ich finde Krambambuli einfach eine herrliche Geschichte und wenn ich könnte würde ich sie sogar ein viertes Mal verfilmen.

Welche Rolle hat dann schließlich Drehbuchautor Kurz Nachmann (schrieb auch an "100 Fäuste und ein Vaterunser" Anm.) in der Stoffendwicklung gespielt?

Kurt Nachmann ist mein Leibautor gewesen. Ich habe mit ihm über 50 Filme gemacht! Er ist leider sehr früh gestorben, war aber ein genialer Drehbuchautor. Er war literarisch sehr gebildet und ein unerhört feinfühliger Mensch und für den Krambambuli-Stoff genau der richtige Autor. Ich denke sehr oft, bei jedem neuen Drehbuch an Kurt Nachmann und sage mir: 'Kurtl warum lebt der Kerl nicht mehr...' Die Zusammenarbeit war herrlich!

Sie als Regisseur haben ja zu dieser Zeit, in den 60ern oft drei oder sogar mehr Filme pro Jahr gedreht. Wie war das mit der Vorbereitungszeit zu den einzelnen Filmen?

Ich muss Ihnen sagen, dass früher das Filmemachen leichter war als heute - trotz der vielen technischen Hilfsmitteln, die einem heute zur Verfügung stehen. Ich habe in meinem Rekordjahr sogar 4 Filme gedreht! Beim Dreh des ersten Films habe ich schon die Vorbereitung zum zweiten gemacht. Das ging parallel. Man hatte früher leichter Leute bekommen und die Einstellung zum Film war eine andere. Heute sind die Schauspieler und Mitarbeiter nur noch Gagenabholer. Früher kamen Schauspieler zu mir und fragten: 'Franz, könnte man meine Szene nicht noch etwas ausbauen, ich möchte etwas dazumachen.' Heute kommen die Schauspieler zu mir und sagen: 'Franz, können wir die Szene streichen - ich hab um 4 noch einen anderen Termin...'

Also haben sich die Menschen geändert.

Ja! Sie haben sich zum schlechten verändert. Heute sind alle nur noch aufs Geldverdienen aus. Früher sagten Schauspieler noch 'Das ist mein Film' oder 'Das ist unser Film.' Heutzutage wissen die Schauspieler gar nicht mehr den Titel des Films sondern nur wie hoch die Gage ist und wie viel Drehtage er hat.

Mario Girotti, der sich dann ja erst drei Jahre später das erste mal Terence Hill genannt hat spielte die Rolle des Marcello in "Ruf der Wälder". Wie bekam er diese Rolle bzw. wer wählte ihn dafür aus?

Ich hatte früher schon sehr gute Kontakte zum italienischen Film und habe in Italien später auch einige Filme gedreht. Einer der ersten Schauspieler die ich dort schon früh kennengelernt habe, war Mario Girotti. Da dachte ich mir schon, das wäre der richtige Darsteller für "Ruf der Wälder". Außerdem war er ja ein fescher Buarsch damals. Er war zu dieser Zeit aber noch völlig unbekannt, bekannt wurde er dann erst durch den Namen Terence Hill. Er ist ein sehr reizender Kerl, hat alle seine Stunts selbst gemacht und den italienischen Fremdarbeiter perfekt gespielt. Ich hätte keinen besseren Darsteller für diese Rolle finden können!

Wie genau haben Sie ihn damals kennengelernt?

In Rom. Ich weiß nicht mehr wo genau, in irgendeiner Gesellschaft in Rom wurde er mir vorgestellt.

Und die Krambambuli-Filme waren immer ein Erfolg?

Ja, natürlich. Ich hätte ja den dritten nicht machen können, wenn der zweite kein Erfolg gewesen wäre. Das ist heute aber anders. Der deutschsprachige Film hat heutzutage fast keine Chancen mehr große Ziffern zu erreichen. Heute hängen die Filme von der Quote im Fernsehen ab. Einer meiner besten Filmreihen, die Bockerer Filme I-IV, waren alle im Kino komischerweiße kein Erfolg. Sie wurden zwar mit Preisen überschüttet, von der Kritik als großer künstlerischer Erfolg anerkannt und hatten auch im Fernsehen hohe Einschaltsquoten...im Kino dagegen null. Die Kinobranche hat sich sehr verändert! In die großen Kinos mit über 10 Sälen kommt man heute ja nur mehr mit dem Auto hin. Parkplätze für ein kleines, normales Kino gibt's ja nicht mehr, deswegen haben sich die kleinen Kinos alle aufgelöst. Heute hat sich auch die Einstellung der Menschen geändert. Man geht endweder zu einem bewussten Film oder ins Zentrum, wo man Essen, Trinken und sich treffen kann und dann geht man auch ins Kino. Und es werden auch nur mehr die jungen Leute angesprochen, da die Alten sowieso nicht mehr ins Kino gehen. Die sind zu bequem und sitzen lieber zu Hause vor dem Fernseher oder möchten sich nicht die Mühe machen, da sie eh keinen Parkplatz finden. Dazu kommt noch, das heutzutage, meiner Meinung nach viel zu viel Brutalität in Filmen gezeigt wird. Es fehlt der Humor, das Herz und die Seele! Ich hab mein Leben lang Filme zur Unterhaltung gemacht. Zu meiner Zeit, nach dem Krieg war das eben anders. Die Leute wollten die heile Welt sehen - schöne Berge, hübsche Mädchen und die blaue Donau. Heute ist das alles anders, da läuft überall nur mehr Brutalität...

Wissen Sie was für eine Gage Mario Girotti seinerzeit für "Ruf der Wälder" bekommen hat?

Terence Hill hat damals eine Gage von 40.000 Mark bekommen. Das war schon eine sehr hohe Gage damals. Die höchsten Gagen hatten damals vielleicht ein Rudi Prack oder Hans Moser bekommen - so um die 90.000 Mark. Aber auch ein Star von damals ist ein Wimmerl gegen die Stars von heute. Zum Beispiel Lex Barker, der mit den Karl May Filmen groß heraus gekommen ist, hat ja nichts gekostet damals...

Was halten Sie von den schauspielerischen Leistungen von Terence Hill?

Terence Hill ist in meinen Augen kein großer Schauspieler, aber er war in seiner Jugend sehr mutig und hat den richtigen Humor gehabt. Er und Bud Spencer zusammen waren ein ideales Paar. Heute noch werden die Filme gern im Fernsehen gesehen, weil man über sie lachen kann. Da braucht man gar kein guter Schauspieler zu sein. Ich könnte vielleicht sagen, er war ein guter Schläger... (alle lachen) Aber er hat alle Stunts selbst gemacht und brauchte kein Double!

Haben Sie Terence Hill nachher noch einmal getroffen, nachdem er dann Karriere gemacht hat?

Ja, natürlich. Erst vor vier Jahren habe ich ihn in Berlin getroffen, aber er lebt sehr zurückgezogen auf seiner großen Farm in Mexiko. Er ist dort praktisch untergetaucht.

Schauen Sie sich ihre alten Filme selbst im Fernsehen an, wenn diese laufen?

Ja, sehr gerne. Meine Frau sagt zwar immer: 'Bist du verrückt deine alten Filme anzuschauen?' aber ich sag Ihnen warum ich das tue. Man erinnert sich sofort an die alten Zeiten zurück, zb was für eine Freundin ich damals gehabt habe oder solche Sachen. Man erinnert sich einfach gerne. Das ist zwar wohl eine Alterserscheinung aber ich schau' mir gern die alten Filme an.